- Ab Basel heisst die Devise!
- Aeropa
- Air Gondrand
- Air Sea Service
- Alsavia
- aria
- ASA African Safari Airways
- ASA Air Starline
- Aviatik beider Basel
- Balair (1925-1930)
- Clipper International / Avistar Airlines
- Commercial Air Enterprise
- Crossair – Teil 1, 1975–1987
- Crossair – Teil 2, 1988–1994
- Crossair – Teil 3, 1995–2001
- Crossair Europe
- Eurojet Airline
- Globe Air
- Hello
- Jet Alsace / TransAlsace
- Midland Air Lines
- Phoenix Airways
- Point Air
- Rhineair
- SATT
- Seychelles International Safari Air
- Swiss Universal Air Charter SUAC
- Tellair
- Wm. Müller & Co.
- Zweifelhafte Projekte
Phoenix Airways
Wie ein Phoenix aus der Asche, nach den Konkursen von Globe Air und Tellair, hebt Phoenix Airways 1971 als neue Schweizer Charter-Fluggesellschaft ab.
Gemäss Handelsregister des Kantons Basel-Stadt wurde Phoenix Airways zwecks «Durchführung eines kommerziellen Luftverkehrs sowie An- und Verkauf, Miete und Charterung von Flugmaterial» am 13. Oktober 1970 mit einem Aktienkapital von zwei Millionen Schweizerfranken gegründet. Zu den Initianten gehören neben den Piloten Heinz Suter, Manfred Thaler und Fritz Villiger auch die beiden Juristen Dr. Ulrich Zimmermann und Dr. Waldemar Haas. Letzterer ist in der Szene kein Unbekannter, hat er doch schon einige Erfahrungen im Gründen von Fluggesellschaften gesammelt, Ende der 1950er Jahre auch bei Aeropa und der Globe Air.
Zweifel am Erfolg des neuen Unternehmens kommen vor der Betriebsaufnahme auf, musste doch erst wenige Monate zuvor die in Bern ansässige, aber vor allem ab Basel-Mulhouse operierende Tellair aufgeben, und auch der Konkurs der Globe Air vom Jahre 1967 liegt noch nicht weit zurück. Probleme gab es auch mit dem Namen der neuen Airline, die als Helvetic Air an den Start gehen wollte. Mit der fadenscheinigen Begründung, dass es sich nicht um ein staatliches Unternehmen handle, wurde der Name vom Handelsregisteramt nicht genehmigt. Im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen steigt Phoenix Airways mit einer fabrikneuen Maschine, einer zweistahligen British Aircraft Corporation (BAC) One Eleven 500 mit einem Neuwert von über 23 Millionen Franken ins Geschäft ein. Schon am 2. April 1971 ist die HB-ITL nach Basel geliefert worden.
Auch die renommierten Reiseunternehmen glaubten nicht so richtig an die neue Airline, doch die Betriebsbewilligung trifft ebenfalls schon am 16. April 1971 ein. Und auch wenn sich der schnelle Start schwierig gestaltet und vorerst vor allem ad hoc-Flüge ab Deutschland anstatt ab der Schweiz durchgeführt werden, beginnen die Schweizer Reiseveranstalter nach und nach, die neue Fluggesellschaft zu nutzen. Phoenix Airways erhält erste Aufträge von Imholz-Reisen und Airtour Suisse. Mit der 114plätzigen BAC One Eleven 500 werden vorerst die in dieser Zeit populären Städteflüge durchgeführt, bald aber auch die traditionellen Ferienziele am Mittelmeer angeflogen.
Eine zufälligen Begegnung mit einem Vertreter der Bedek Aviation, einer Tochterfirma der Israel Aircraft Industries (IAI), leitet für die Phoenix Airways eine neue Aera ein. Es werden Verhandlungen aufgenommen, die zum Kauf einer Boeing 707-131 aus Beständen der TWA führen. Damit verbunden ist auch die Zusicherung, für die staatliche israelische El Al Frachtflüge mit Gemüse und Früchten durchführen zu dürfen. Und schnell muss es gehen, denn einige Piloten wollen grössere Flugzeuge fliegen und endlich einmal vier Triebwerkshebel bedienen! Finanziert wird das Flugzeug weitgehend durch den Industriellen Dieter Bührle, der damit zu einem der wichtigsten Geldgeber wird, ohne dass das recht knappe Aktienkapital von nur 2 Millionen Franken aufgestockt werden muss.
Weil die vorgesehene Boeing 707-131 wegen des verlangten Einbaus eines Frachttores nicht sofort geliefert werden kann, mietet Phoenix Airways als ersten Vierstrahler die ebenfalls aus Beständen der TWA stammende, 1959 gebaute N732TW. Sie gehört zur ersten Generation von Jet-Verkehrsflugzeugen und verfügte noch über Triebwerke mit Wassereinspritzung zur Schuberhöhung während des Starts. Bei jedem Start verbraucht die Maschine rund zwei Tonnen demineralisiertes Wasser!
Dem Einsatz der N732TW legt das Eidgenössische Luftamt in Bern allerdings etliche Steine in den Weg, bis hin zur Weisung, dass die 170plätzige Boeing 707-131 nicht mehr Passagiere als die deutlich kleinere BAC One Eleven 500 befördern darf.
Nach dem Eintreffen der eigenen Boeing 707-131F HB-IEG im November 1972 kann Phoenix Airways sofort mit den geplanten Frachtflügen von Tel Aviv nach Europa beginnen. Wegen einer schlechten Ernte bleiben die Aufträge jedoch weit hinter den Erwartungen zurück, und so kommt ein kurzfristiger Auftrag der Air Algérie, Tomaten aus der Sahara nach Marseille zu fliegen, gerade zur rechten Zeit. Ab Frühjahr 1973 können auch die ersten Langstreckenflüge mit Passagieren durchgeführt werden, als Charterketten nach Lomé im Togo für Imholz-Reisen und nach Bangkok für Hotelplan. Dabei werden die Grenzen das veraltete Flugzeug rasch offenkundig. Wegen der beschränkten Reichweite muss auf dem Flug von Lomé in die Schweiz in Niamey und Algier getankt werden. Das grösste Problem dabei ist, dass auf den kleineren Flughäfen wie Lomé kein demineralisiertes Wasser verfügbar ist. Um die Versorgung sicherzustellen, fliegt die Boeing 707 bald schon eine eigene Demineralisierungsanlage mit sich herum. Wegen der zu kurzen Piste in Basel-Mulhouse ist sie zudem gezwungen, die meisten Flüge ab Zürich durchzuführen und hat dadurch höhere Betriebskosten, weil die Wartung der Flugzeuge ausschliesslich in Basel-Mulhouse erfolgte. Die Kosten für Positionierungsflüge können den Reiseveranstaltern nicht belastet werden, zu sehr steht man unter Konkurrenzdruck, namentlich durch Balair und SATA.
Die guten Beziehungen zu Israel kommen während des Jom Kippur-Krieges im Oktober 1973 nochmals zum Tragen. Phoenix Airways kann im Auftrag der El Al Passagierflüge durchführen. Die Boeing 707 ist praktisch rund um die Uhr unterwegs, allerdings nur so lange, bis das Eidgenössische Luftamt der Gesellschaft die Flugrechte nach Israel, das als Krisengebiet gilt, ohne Vorwarnung entzieht. Damit ist das Ende der Phoenix Airways voraussehbar. Sie verfügt über zu viele Besatzungen, die trotz weniger Flugstunden bezahlt werden müssen, betreibt zwei komplett unterschiedliche Flugzeugtypen und leidet in der ausbrechenden Ölkrise unter der Verzehnfachung der Treibstoffpreise.
Als anfangs 1974 die Lohnzahlungen ausbleiben, heisst es, Dieter Bührle wolle nochmals aushelfen. Doch dazu kommt es nicht mehr. Jet Aviation legt wegen ausbleibender Zahlungen Hand auf die von ihr gewartete BAC One Eleven 500, worauf das Eidgenössische Luftamt beiden Flugzeugen die Lufttüchtigkeitszeugnisse entzieht. Dies ist zumindest für die Boeing 707-131F HB-IEG missbräuchlich, denn sie hätte weiterhin durch Israel Aircaraft Industries gewartet werden können.
Gleichentags wird nochmals über eine Sanierung beraten, wobei Dieter Bührle bereit sein soll, sich mit fünfzig Prozent am Kauf von zwei moderneren Boeing 720B zu beteiligen. Weil sich aber der zweite Investor kurzfristig zurückzieht, ist es um Phoenix Airways geschehen. Am 15. März 1974 wird die Bilanz hinterlegt und am 18. März 1974 der Flugbetrieb definitiv eingestellt. Eine weitere Schweizer Charter-Fluggesellschaft scheitert an einer zu schwachen Finanzbasis. Bereits am 8. April 1974 eröffnet das Konkursamt Basel-Stadt den Konkurs über Phoenix Airways und am 24. Mai findet die erste Gläubigerversammlung statt.
Flotte:
| HB-ITL | BAC 111-529FR One-Eleven | April 1971 bis März 1974 |
| N732TW | Boeing 707-131 | lsf IAI, März 1972 bis Oktober 1972 |
| HB-IEG | Boeing 707-131F | November 1972 bis März 1974 |
Werner Soltermann / Marcel Tschudin / Rolf Siegrist (†)