Jet Alsace / TransAlsace

Als die auf dem EuroAirport Basel-Mulhouse beheimatete, französische Charterfluggesellschaft Point Air Ende 1987 die Bilanz deponieren musste, bewarben sich die französische Minerve und die belgische TEA SA um deren Rettung. Das Handelsgericht in Mulhouse gab der TEA SA den Vorzug, welche die Douglas DC-8-71 der Point Air inklusive Personal übernehmen und eine Firma namens Trans Express Alsace Réunion (TEAR) gründen wollte. Doch das französische Luftamt entschied im Januar 1988 zugunsten einer rein französischen Lösung mit der Minerve, die im Februar 1988 Jet Alsace als Tochtergesellschaft gründete. Bekanntlich blieb die TEA SA dem EuroAirport treu und schuf dann auf der Schweizer Seite die TEA Basel AG. 

Geplant ist der Start der Jet Alsace im Frühjahr 1988 mit der ex-Point Air Douglas DC-8-71 und mit McDonnell-Douglas MD-83 der Minerve, mit Flügen nach La Réunion und in die Karibik einerseits, mit Flügen nach Paris-Orly in Konkurrenz zu Air Inter anderseits. Wegen interner Probleme bei Minerve verzögert sich die Betriebsaufnahme aber und Jet Alsace erhält ihr Air Operator Certificate (AOC) erst im Oktober 1988. Der Start der viermal wöchentlichen Orly-Flüge erfolgt am 15. November 1988 mit je einer Douglas DC-8-53 und McDonnell Douglas MD-83 im Wet Lease von Minerve, weil die eigenen, auch von Minerve zu leasenden MD-83 erst im Januar und Februar 1989 erwartet werden. Die Linienflüge rentierten aber nicht und werden am 10. Juli 1989 eingestellt. Auch die Langstreckenflüge lassen nicht realisieren, denn die DC-8-71 ist inzwischen an Guiness Peat Aviation (GPA) zurückgegangen.

Für die Sommersaison ab Mai 1989 gelingt es Jet Alsace, ein ansehnliches Charterflugprogramm ab dem EuroAirport aufzulegen, mit Flügen nach Stockholm, Monastir, Heraklion, Izmir und Palma de Mallorca. Da die erste MD-83 erst im Juli 1989, die zweite sogar erst im Juli 1990, geliefert werden, kommen weiterhin Flugzeuge von Minerve zum Einsatz. Von April bis Oktober 1990 muss Jet Alsace eine bisher bei British Island Airways (BIA) eingesetzte MD-83 von ILFC leasen. Jet Alsace will künftig wieder im Liniengeschäft tätig sein und plant mit mehreren Destinationen ab dem EuroAirport, doch der erste Golfkrieg von 1991 vereitelt diese Pläne endgültig. Damit wird auch die Beschaffung einer dritten MD-83 sowie einer Boeing 767-300 für Langstrecken nach Westafrika und Thailand hinfällig.

Weil Minerve 1991 in finanzielle Schieflage gerät und mit Air Outre Mer zu AOM French Airlines fusioniert, muss sie Jet Alsace abstossen. Es gelingt im Februar 1992, mit Héli-Inter einen neuen Besitzer zu finden, doch die beiden MD-83 der Minerve werden im November 1991 und April 1992 zurückgenommen. Mit Guiness Peat Aviation (GPA) vereinbart Jet Alsace den Lease von drei MD-83 für die Saison 1992. Wegen finanzieller Bedenken liefert GPA jedoch nur eine einzige MD-83.

Jet Alsace gelingt es im Mai 1992 kurzfristig, eine operationelle Zusammenarbeit mit Adria Airways einzugehen und eine deren MD-82 zu übernehmen. Diese Kooperation endet aber bereits Ende 1992 wieder, womit der Plan zur Übernahme von drei Airbus A320 von Adria Airways hinfällig wird und die MD-82 retourniert werden muss. Auch GPA nimmt ihre MD-83 im November 1992 zurück. Jet Alsace kann sie mit einer von Air Liberté gemietete MD-83 ersetzen. Trotz allen Schwierigkeiten befördert Jet Alsace im Jahr 1992 ab dem EuroAirport mehr als 100'000 Passagiere, was rund dreissig Prozent des Charterverkehrs ausmacht.

1993 beginnt für Jet Alsace sehr schwierig. Am 17. Februar muss sie die Bilanz deponieren, wird aber durch die Transcapital Holding des ägyptischen Geschäftsmanns Fadi Saab vorerst gerettet. Im Mai ändert Jet Alsace ihren Namen auf TransAlsace. Von GPA kann erneut eine MD-83 geleast werden, um den Sommerflugplan mit zwei Flugzeugen zu bewältigen. Transcapital Holding ist auch Besitzerin der ägyptischen TransMed und will in Europa und im Mittleren Osten weitere Fluggesellschaften gründen. Dies wird nicht gelingen, und auch der Transfer von zwei Boeing 737-400 der TransMed an TransAlsace kommt nicht zustande, weil GPA die beiden Boeings per Ende 1993 zurückholt. Auch beide MD-83 von Trans Alsace gehen im November 1993 und Januar 1994 an die Vermieter zurück.

TransAlsace muss den Flugbetrieb mit teuren Subcharter-Einsätzen aufrechterhalten, bis sie im März mit der ägyptischen Shorouk Air einen weiteren Partner findet, der ihr zwei Airbus A320 zur Verfügung stellen will. Ein erster A320 trifft am 1. April 1994 am EuroAirport ein, aber wegen Vorbehalten des französischen Luftamts, da die Maschine nicht in der EU registriert ist, verzögert sich der Einsatz um mehrere Wochen. Das Ende der Trans Alsace ist nun nicht mehr aufzuhalten. Am 3. Juli 1994 stellt sie den Flugbetrieb ein und geht am 8. Juli 1994 in den Konkurs. Sie erhält zwar zwei Wochen Frist, um neue Geldgeber zu suchen, doch gelingt dies in der verbliebenen Zeit nicht mehr.

Jet Alsace / TransAlsace suchte wiederholt Kooperationen mit anderen Fluggesellschaften, 1990 mit Balair und 1992, 1993 und 1994 jeweils mit TEA Basel AG, was sich jedoch nicht realisieren liess. Während ihrer knapp sechsjährigen Existenz ist sie jedoch ein geschätzter Partner von Schweizer Reiseveranstaltern für Feriencharterflüge ab dem EuroAirport. 1992 beispielsweise werden zwanzig Destinationen ab dem EuroAiport angeflogen.

Nicht geholfen hat der Fluggesellschaft sicher, dass sie nach dem Abgang ihrer Muttergesellschaft Minerve fast jährlich ihre Flugzeuge austauschen musste, und dass sie bei der Suche nach Geldgebern eine unglückliche Hand hatte.

Flotte:

F-GGMD McDonnell Douglas MD-83 lsf Minerve, Juli 1989 - November 1991
F-GGME McDonnell Douglas MD-83 lsf Minerve, Juni 1990 - November 1991
F-GFUU McDonnell Douglas MD-83 lsf ILFC, April 1990 - Oktober 1990
F-GMCD McDonnell Douglas MD-83 lsf GPA, April 1992 - November 1992
SL-ABC McDonnell Douglas MD-82 lsf Adria Airways, Mai 1992 - Dezember 1992
F-GHHO McDonnell Douglas MD-83 lsf Air Liberté, Dezember 1992 - November 1993
EI-CGI McDonnell Douglas MD-83 lsf GPA, Juni 1993 - Januar 1994
SU-RAB Airbus A320-231 lsf Shorouk Air, April 1994 - Juli 1994

Geplante, nicht realisierte Flugzeug-Mieten:

F-GMBK McDonnell Douglas MD-83 (GPA, ntu)
F-GMPP McDonnell Douglas MD-83 (GPA EI-CGA, ntu)
F-GNFS Boeing 737-4Y0 (Transmed SU-BLL, ntu)
F-GNFT Boeing 737-4Y0 (GPA, ntu)
F-GSHK Airbus A320-231 (Shorouk Air, ntu)

Markus Seiler, Werner Soltermann