Südlandungen – oder: Der Wind weht, wie er will

27.08.2026             

In den letzten Wochen wechselte fast jeden Nachmittag, mit dem Wind, auch die Anflugrichtung auf den EuroAirport. Aus Sicherheitsgründen ist dies nicht anders möglich, und der Flughafen hat die Situation auch gut begründet.

Leider können oder wollen dies nicht alle Betroffenen nachvollziehen. Die geäusserten Argumente und Ängste sind stets dieselben, und sie zeugen oft von wenig Sachkenntnis. Peter F. Peyer sandte einen die Metereologie und die Flugverfahren erklärenden Leserbrief an die BaZ (Basler Zeitung), den wir mit seiner Erlaubnis hier gerne wiedergeben.

Der Wind weht, wie er will

Im Artikel der BaZ vom Montag, 17. August beklagt Philippe Meerwein die häufigen Anflüge am EAP von Süden her. Tatsächlich hat die Zahl der Instrumenten-Anflüge auf die Piste 33 in den letzten Wochen und Tagen sehr stark zugenommen. Dies ist einem Phänomen geschuldet, das in der Meteorologie als Talwind bekannt ist.

Bei Hochdrucklagen und hohen Bodentemperaturen steigt die stark erwärmte Luft über dem Jura auf. Sie wird durch ebenso warme Luft aus der Oberrheinischen Tiefebene ersetzt, in der auch der EAP liegt. Dies führt zu ausgeprägten und je nachdem lang andauernden Nordwindlagen, die einen Anflug von Süden her erforderlich machen. Nach einer Empfehlung der ICAO (Internationale Zivilluftfahrt Organisation) soll die Rückenwindkomponente bei Landungen 5 Knoten (ca. 9 km/h) nicht übersteigen. Dementsprechend wird das Anflugregime am EAP ab diesem Grenzwert auf Südanflüge (ILS33) umgestellt.

Des Weiteren ist das ILS (Instrumenten-Landesystem) der Piste 33 auf einen Anflugwinkel von 4,5° eingestellt. Üblich sind 3,0° bis 3,5°. Ebenso wurde der Aufsetzpunkt für die landenden Flugzeuge um mehr als einen Kilometer nach Norden verschoben. Daraus resultiert ein deutlich höherer Überflug des Siedlungsgebietes und ein steilerer Endanflug. Der Richtstrahl des ILS entspricht genau der Pistenachse, Siedlungen können also nicht umflogen werden.

Dass der Richtwert von 8% Südlandungen nun oft überschritten wird, liegt also an der Metereologie – und vermutlich an einer Fehleinschätzung vor Beginn der Inbetriebnahme des ILS 33. Zuvor mussten die Piloten diese Piste im Sichtanflug anfliegen, was wegen schlechter Sicht oft nicht möglich war.

Die im Artikel ebenfalls geäusserte Behauptung, dass ab «Mitte» der 3,9 km langen Hauptpiste gestartet wird, ist falsch. Gelegentlich starten auf der Piste 15 leichtere Maschinen von einem Punkt aus, der 900m südlich der Pistenschwelle 15 liegt. Damit verbleiben dem startenden Flugzeug noch 3000m Startstrecke und damit mehr als genug für einen sicheren Überflug der Agglomeration.

Peter F. Peyer